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Das Leipheimer Kinderfest 2021 entfällt wegen der Corona-Pandemie

Kinderfest wird Immaterielles Kulturerbe

Schnitterreigen heute...
Schnitterreigen heute...
Schnitterreigen im Jahr 1963.
Schnitterreigen im Jahr 1963.
Die Geschichte des Kinderfestes wurde beim Jubiläumsfest 2017 bei den Fest­spielen nacherzählt - hier die erste Ernte nach der Hungersnot.
Die Geschichte des Kinderfestes wurde beim Jubiläumsfest 2017 bei den Fest­spielen nacherzählt - hier die erste Ernte nach der Hungersnot.
Der Festumzug im Jahr 1914 - bereits damals trugen die Mädchen am Festsonntag Blumenbögen durch die Stadt. 1902 war das Kinderfest um den Montag ergänzt worden, jahrzehntelang war er für ganz Leipheim ein arbeitsfreier Feiertag.
Der Festumzug im Jahr 1914 - bereits damals trugen die Mädchen am Festsonntag Blumenbögen durch die Stadt. 1902 war das Kinderfest um den Montag ergänzt worden, jahrzehntelang war er für ganz Leipheim ein arbeitsfreier Feiertag.

Das Kinderfest ist etwas ganz Be­son­deres. Das wussten die Leip­heimer schon immer. Jetzt weiß es ganz Bayern!
Am 31. März 2020 fiel die Entscheidung des Bayerischen Ministerrats: Das Leipheimer Kinderfest wurde gemeinsam mit zwölf weiteren so genannten Kulturformen in das Bayerische Landes­verzeichnis des Immateriellen Kultur­erbes aufgenommen. Zuvor gehörten dem nun 54 Eintragungen zählenden Verzeichnis bereits die „Bayerische Brautradition nach dem Reinheits­gebot“, die Dinkelsbühler „Kinder­zeche“ (wie das Kinderfest in der Arbeitsgemeinschaft Historischer Kin­der- und Heimatfeste in Süddeutsch­lands) oder die Passionsspiele Ober­ammergau an.
Grundlage für die Entscheidung war das Gutachten eines unabhängigen Expertengremiums, das alle in Bayern eingereichten Anträge auf Basis der Kriterien des UNESCO-Übereinkommens anhand einheitlicher Maßstäbe fachlich bewertet habe, so schrieb Minister Albert Füracker in einer Mitteilung an die Stadt Leipheim. Eine „gelungene Bewerbung“ hätte die Stadt eingereicht, so der Minister in seinem Brief weiter. In einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat heißt es schließlich über das Kinderfest: „Das Leipheimer Kinderfest mit Tänzen, Umzügen, Spielen und Festsprüchen geht auf die Erntedankfeste nach der großen Hungersnot von 1815/16 zu­rück. Das für die Stadt und die Region zentrale Fest vermittelt historisches Wissen und steht unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit.“
Bürgermeister Christian Konrad sieht die Aufnahme in das Landes­verzeichnis mit Freude: „Es ehrt die Stadt Leipheim und das Kinderfest, dass die Experten die Bedeutung des Kin­derfests für die städtische Gesellschaft, sein kulturelles Erbe und seine identitätsstiftende Wirkung anerkennen. Das Kinderfest ist vor mehr als 200 Jahren nach schwierigen Zeiten entstanden. In 200 Jahren gab es immer wieder schwier­ige Zeiten – so wie auch im Moment - die von den Leipheimern durchlebt und schließlich gemeinsam überstanden wurden. Auch dafür steht das Kinderfest.“
Nicole Schneider, bei der Stadt Leipheim verantwortlich für das Kin­derfest, hatte die Aufgabe, der Kom­mission die historischen Hinter­gründe, die bis heute bestehenden Elemente des Fests und seine Bedeutung für Men­schen und Stadt in der Bewerbung darzulegen. Denn das Fest, so die Ein­schätzung von Nicole Schneider, ist kein schlichtes Volksfest, sondern spiegelt die Stadt und ihre Gesellschaft wider und reagiere seit 200 Jahren auf gesellschaftliche und politische Ver­än­derungen.
Die traditionellen Bestandteile - von Umzug über Festspruch und Tanz bis zum gemeinsamen Feiern - bilden den Grundstock des Fests, dessen Ab­läufe sich in 200 Jahren kaum geändert haben. Und trotzdem sei das Kinderfest immer aktuell gewesen, nicht zuletzt durch die Festsprüche, Tänze und das große Engagement der Beteiligten.
Wichtig für die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe war aber auch die Bedeutung für die städtische Gesellschaft. Und auch hier konnte das Kinderfest die Kommission überzeugen. Die Zusammenarbeit von Schule, Kir­chen, Ehrenamtlichen und der Stadt macht das Fest auch in den Augen der Experten zu einer Besonderheit und nun zum Immateriellen Kulturerbe. Denn bis heute ist das Kinderfest ein Fest der Dankbarkeit und Freude, das die Menschen zusammenführt, über Generationen und Nationen hinweg.
Die Jahre 2020 und 2021 werden einen besonderen Platz in der Kinderfest-Geschichte einnehmen. Erstmals seit 1955 wird das Kinderfest nicht stattfinden. 1955 mussten Schulen und Kindergärten auf Grund der Gefahr der Verbreitung der Kinderlähmung ge­schlos­sen werden – das Kinderfest musste eine Woche vor seinem Beginn abgesagt werden. Nun wirkt sich wieder ein Virus auf das Heimatfest aus. Aber schon jetzt lässt sich eines sagen: Das Kinderfest wird zurückkommen, die Stadt wird wieder feiern.

Wer mehr über die Geschichte des Kinderfests erfahren will, kann die Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum für 5 Euro unter kinderfest@leipheim.de oder Stadt Leipheim, Nicole Schneider, Marktstr. 5, 89340 Leipheim bestellen.